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Überdruss am Überfluss

21. Februar, 14:21 Uhr | 0 Kommentare | Veröffentlicht unter core dump, links

Das Leben kann so unheimlich kompliziert sein. In unserer Konsumgesellschaft wird den ganzen Tag erzählt, dass man am unglaublichen Überfluss unbedingt teilhaben muss. Schließlich macht so ein nagelneues Auto als Statussymbol schon was her, und sein Handy alle paar Monate gegen das neueste Modell auszuwechseln, bringt ja auch eine gewisse Prestige mit sich. Sowohl Geld als auch Besitz werden in unserer Gesellschaft nun mal sehr hoch bewertet – uns wird in der Werbung ein materialistisches Leben vorgelebt, in dem die “wahren” Werte nur dann erreicht werden, wenn man Produkt X kauft.

Dazu kommt noch die wahnsinnige Reizüberflutung, mit der wir tagtäglich überschwemmt werden. Ich hätte keine Probleme damit, meinen Feedreader so weit mit interessanten Dingen aufzufüllen, um den ganzen Tag ununterbrochen darin lesen zu können. Hätte ich einen Fernseher, könnte ich mich durch ein paar dutzend Programme schalten – rund um die Uhr. Auswahl ist zwar schön, aber bei manchen gibt es wohl diesen “man könnte ja was verpassen”-Faktor, und schon laufen Radio, Fernseher und Computer den ganzen Tag ununterbrochen durch.

Mich erfüllt dieser Lebensstil ganz und gar nicht. Immer nur konsumieren, auf der ewigen Suche nach dem Sinn dahinter – die Werbung versucht dabei aber mit aller Gewalt zu verhindern, dass man am Ziel ankommt. Das nächste Produkt ist garantiert noch besser, noch bunter, noch schöner. Natürlich sind die Zyklen so kurz ausgelegt, dass dem Verbraucher in kurzen Abständen Geld aus der Tasche gezogen werden kann… und unser Leben beschleunigt sich ohnehin immer mehr.

Lustigerweise hilft uns die ganze Technik auch nicht immer – im Gegenteil. Um ein konkretes Beispiel heranzuziehen: Früher hat man sich eine Kompaktkamera gekauft, Batterien und Film eingelegt, den Film vollgeknipst, den Film zum Entwickeln gebracht und hatte dann seine Abzüge. Heute muss man sich erst eine der unzähligen Digicams aussuchen, was beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen kann. Die Akkus müssen immer geladen werden, da sie natürlich immer dann leer sind, wenn man sie braucht… die halten ja nicht lange. Mit etwas Pech sind auch noch alte Daten auf der Speicherkarte, die man vergessen hat. Unterwegs kämpft man sich dann durch die unzähligen Einstellungen der Kamera, die einen eher behindern als unterstützen. Die fertigen Bilder werden zu Hause erst mal “aufgepeppt”, zurechtgeschnipselt, aussortiert und so weiter. Dann noch ab zum Bilderservice des geringsten Misstrauens und man bekommt seine Abzüge. Sehen die nun – trotz höherem Aufwand – besser aus als vor 20 Jahren? Ich glaube nicht… ;)

Es gibt aber inzwischen eine Tendenz in der Bevölkerung, die sich von diesen Zwängen des Alltags lösen will und zurück zu einem selbstbestimmten Leben möchte, in dem der Konsum und Besitz in den Hintergrund rückt. Es wird Wert darauf gelegt, sein Leben wieder mit echtem Sinn auszufüllen und die notwendigen Bedürfnisse zu befriedigen statt sich von der Werbung diktieren zu lassen, was man als nächstes kauft.
Ich rede dabei nicht von totaler Besitzaufgabe (wobei es das durchaus als Extrem gibt), sondern nur von einer Einschränkung auf wichtige Dinge, die einem viel bedeuten. Das zieht gleich einen weiteren Punkt mit sich: Man hat mehr Geld übrig, schließlich gibt man ja weniger aus. Also hat man die Möglichkeit, sein Berufsleben zurückzuschrauben und hat mehr Zeit für sich und sein “richtiges” Leben.

Durch weniger Konsum werden logischerweise auch weniger Ressourcen verbraucht. Ich hatte ja neulich schon The Story of Stuff verlinkt, der im Prinzip genau darauf eingeht: Da unser jetziger Waren”kreislauf” über kurz oder lang dem Untergang geweiht ist, würde ich das auch nicht gerade als schlechteste Idee einstufen. Lustigerweise weiß der Großteil der Bevölkerung Bescheid, dass das alles nicht so toll ist… aber die allerwenigsten ändern ernsthaft etwas daran.

Ich könnt jetzt noch mehr zusammenhangloses Zeug zu dem Thema schreiben, verweise aber lieber auf zwei richtig tolle Seiten dazu: Die eine ist Zen Habits von Leo Babauta, die andere Think Simple Now von Tina Su. Auf beiden Blogs gibt es verdammt viel zu lesen, stöbert da einfach mal durch – ich bin mir sicher, ihr werdet etwas interessantes finden. :) (Außerdem können beide viel besser schreiben als ich… ähem.) Es gibt natürlich noch viel mehr dieser “simple life”-Seiten, aber diese beiden sind mir besonders ins Auge gefallen.

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