Glossy Displays revisited
Es ist euch sicher nicht entgangen, dass es seit ein paar Tagen neue Notebooks von Apple gibt. Die haben jetzt alle Glossy-Displays, eine Option für ein mattes Display gibt es auch nicht mehr beim MacBook Pro. Gerade die Displays sind der Hauptkritikpunkt an den neuen Geräten – und werden auch in allen Reviews, die ich bisher gelesen habe, kritisch beäugt. Klar, immerhin spiegeln die ja auch wie sonstwas… ist das also alles böses Teufelszeug, das man am besten Richtung Mond schießen sollte?
Ich sage nein! Die Reflektionen lassen sich nicht schönreden, da brauchen wir gar nicht großartig diskutieren. Allerdings sollte man einen entscheidenden Punkt nicht vegessen: Man achtet beim Arbeiten nicht auf die Spiegelungen, sondern das, was als eigentlicher Inhalt angezeigt wird. Ja, klingt erst mal lächerlich, ich höre schon die ersten schreien, dass man sich vor lauter Spiegelungen gar nicht auf den “Inhalt” konzentrieren kann… aber gehen wir doch erst mal von einem normalen Innenraum mit weniger kritischen Beleuchtungsverhältnissen aus. Wenn man die Spiegelungen einfach Spiegelungen sein lässt und einfach drauf los arbeitet, merkt man nämlich gar nichts davon… hätte ich das nicht schon selbst erlebt, würde ich mir das auch selber nicht glauben. Mir fiel z.B. erst jetzt auf, dass mein iPhone ja eigentlich auch ein waschechtes Glossy-Display hat… und ja, wenn man sich auf die Spiegelungen konzentriert, stören sie auch. Aber mich interessiert eigentlich mehr das, was da anwendungstechnisch abgeht. Den Rest erledigt die Beleuchtung: Bei den MacBooks ist jetzt durchgehend eine LED-Beleuchtung eingebaut, auch das neue 24″-Display hat eine spendiert bekommen. (Ja, ich gebe zu, bei Schwarz nützt die nichts…)
Nehmen wir nun die angebliche Horrorvorstellung an, die von allen Glossy-Gegnern gerne zitiert wird: Direktes Sonnenlicht aufs Display. Auf unserem spiegelnden Display sehen wir nun – richtig, eine Spiegelung der Sonne. Der Rest des Displays ist immer noch gut lesbar, immerhin hat so ein Display ja auch knackigere Farben und höhere Kontraste. Stellen wir das nun einem matten Display gegenüber: Der “Sonnenklecks” wird stark getreut, spiegelt nicht, aber reduziert dafür in einem großen Bereich den ohnehin geringeren Kontrast so massiv, dass das Display mit etwas Pech komplett unerkennbar wird. Das hab ich bei meinem eigenen Laptop auch schon erlebt, und dazu braucht es nicht einmal direktes Sonnenlicht – die Schreibtischlampe reicht da schon. Ups!
Wo ich gerade die knalligeren Farben erwähnt habe: Im Showroom stechen die Glossy-Displays bekanntlich richtig heraus, die Farben sind satter und der Kontrast ist sichtbar höher. Geht man näher heran, wirkt das Glossy auch noch schärfer. Kunststück: Wo keine matte Streuscheibe davor sitzt, sondern eine Glasscheibe den direkten Blick auf die Pixel ermöglicht, gibt es einfach mehr “wumms”. Jetzt kommen die “Profis” ins Spiel: So ein Display stellt die Farben doch völlig falsch dar! Was für ein Quark, sollte der gesunde Menschenverstand jetzt sagen. Als Profi sollte man erst einmal wissen, dass man nur kalibrierte Displays miteinander vergleichen sollte – wenn wir nun diese Voraussetzung annehmen und ein mattes mit einem spiegelnden Display vergleichen, hat letzteres die Nase vorn. Die Schwarzwerte gehen weiter runter, die Weißwerte auch weiter nach oben… und es kann mehr Sättigung dargestellt werden. Da wir von kalibrierten Displays ausgehen, werden die Farben nämlich auch nicht krumm dargestellt – und ja, ein Glossy lässt sich ebenso gut (oder schlecht) wie ein “normales” kalibrieren.
Aber als Profi gibt man ja nicht auf: Die Spiegelungen sind doch immer noch völlig unzumutbar für professionelles Arbeiten! Richtig, aber unter professionellem Arbeiten verstehe ich auch professionelle Beleuchtung am Arbeitsplatz. Und die sieht nun mal nicht so aus, dass man zwei 500W-Strahler im Rücken hat, die voll auf das Display brezeln… zumindest habe ich schon von Semi-Profis gehört, die am liebsten mit schwacher, indirekter Beleuchtung arbeiten. Übrigens: Wenn ich mich mit einem weißen T-Shirt vor mein non-glare Display setze, kann das bei ungünstiger Beleuchtung auch zu einem üblen Kontrastverlust führen. Damit ist mein Bild auch ganz ohne gefürchtete Reflexion nicht mehr zum kritischen Beurteilen geeignet.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe meine Meinung zu den Glossy-Displays inzwischen geändert. Sie sind durchaus eine Alternative zu den non-glare-Displays, allerdings machen sie wenig Sinn für jemanden, der narzisstisch veranlagt ist und lieber sein Spiegelbild anglotzt als damit einfach zu arbeiten. Der einzige ernsthafte Nachteil sind die Spiegelungen, dazu habe ich mich ja nun ein wenig ausgebreitet – ansonsten überwiegen meiner Meinung nach eher die Vorteile. Außerdem kann man jetzt endlich unbesorgt mit Glasreiniger ans Display… :D








22. Oktober 2008 um 23:15 Uhr
Da kann ich mich nur anschliessen – ich war heute erst beim Reseller um mir die neuen Modelle mal “live” anzugucken und die Spiegelungen sind natürlich da, aber stören mich genausowenig wie beim Alu-iMac.
25. Oktober 2008 um 14:41 Uhr
Wie hinreichend bekannt ist, bin ich ja sowieso der Mac-Nerd äh -User :D
Mich hat der Spiegelungseffekt noch nie gestört in der Praxis. Einfach aww!