23. September, 13:00 Uhr | |
Veröffentlicht unter listening to
Es gibt ja unzählige außergewöhnliche Musikstücke, aber mir fällt spontan nur eins ein, das die Definition von Musik an sich in Frage stellt. John Cage (1912-1992) hat ein Stück in drei Sätzen geschrieben, in jedem Satz steht nur eine Anweisung: “Tacet”, also einfach nichts spielen. In der Uraufführung (1952) dauerte das Stück insgesamt 4 Minuten und 33 Sekunden (daher stammt auch der allgemein bekannte Name 4’33”). Der Pianist spielte dabei nicht einen einzigen Ton, sondern zeigte nur Schließen und Öffnen des Klavierdeckels optisch die Dauer der drei unterschiedlich langen Sätze an.
Cage hat selbst betont, dass die Dauer des Stückes und die Instrumentierung frei wählbar ist – heutzutage wird bei Aufführungen allerdings meist die bei der Uraufführung ausgewürfelte (!) Form gewählt. Und genau das machen wir jetzt gemeinsam: Ihr schnappt euch das Musikinstrument eures geringsten Missfallens (und wenn es nur eine Triangel ist), setzt euch ordentlich hin und spielt das Stück 4’33” wie folgt: 33 Sekunden nichts spielen, Pause, 2m 40s nichts spielen, Pause, 1m 20 nichts spielen – und anschließend natürlich den donnernden Applaus des Publikums genießen. ;)
Klingt albern? Ist es nicht. Macht es einfach mal – oder setzt euch wenigstens für die Zeit irgendwo hin und macht nichts, sondern hört einfach der nicht vorhandenen Musik zu. Und nicht irgendwann. Jetzt!
Fertig? Dann wird euch sicher etwas aufgefallen sein: Cage wirft mit dem Stück einige interessante Fragen auf, meiner Meinung nach vor allem, ob denn nun die Stille das eigentliche Stück ist oder die Geräusche, die man nun hört (weil ja keine “Musik” da ist). Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde das faszinierend… :)
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