Heute war meine Zwischenprüfung. Anders als befürchtet, haben wir wohl eine der leichteren Varianten bekommen – zumindest habe ich keine ernsthaften Schwierigkeiten damit gehabt, und ein Vergleich mit einem Klassenkamerad unmittelbar nach der Prüfung hat meine Vermutung bestätigt: Meine Antworten könnten durchaus gut bewertet werden… :)
Da sich sicher einige von euch fragen, wie so eine Zwischenprüfung denn nun abläuft, habe ich beschlossen, eine kleine FAQ zusammenzustellen. Vielleicht hilft sie ja dem einen oder anderen ein wenig.
Zwischenprüfung? Was ist das denn?
Um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden, muss man an mindestens einer Zwischenprüfung teilgenommen haben. (Sprich: Anwesend sein.) In meinem Ausbildungsberuf (Fachinformatiker Anwendungsentwicklung) hat das Ergebnis später keinerlei Auswirkungen, es könnte höchstens der Chef schimpfen – in anderen Berufen ist die Arbeit später durchaus relevant, da sie als vorgezogener erster Teil der Abschlussprüfung behandelt wird. In der Regel ist sie aber eher als eine Art Prüfung des aktuellen Lernstandes anzusehen, zumal sie auch nur aus einem schriftlichen Teil besteht.
Wann habe ich meine Prüfung?
In der Regel findet die Prüfung etwa in der Mitte der Ausbildung statt, und zwar in der Zeit, die in eurem Ausbildungsvertrag steht. Bei mir stehen da 2,5 Jahre, die Zwischenprüfung war auch nach etwas mehr als einem Jahr… für die üblichen 3 Jahre sollte sie nach eineinhalb Jahren stattfinden. In der Regel fallen die Prüfungen ins Frühjahr (Februar) und den Herbst (September).
Und wie weiß ich, dass ich hin muss?
Etwa einen Monat vor der Prüfung habe ich Post von der IHK bekommen. Zum einen ist das ein Anschreiben, in dem drin steht, wann man wo hin muss (7:45 Uhr bei mir, igitt!). Weitere Hinweise wie erlaubte Hilfsmittel oder nicht erlaubte Gegenstände sollten dort auch zu finden sein. Außerdem ist ein großer Faltbogen im Umschlag, der zu jeder möglichen Fragestellung in der Prüfung eine Beispielaufgabe zeigt und an dem auch ein Beispiel-Lösungsbogen hängt. Dieser ganze Kram soll laut Anschreiben auch beim Betrieb vorgelegt werden, schließlich hat dieser euch noch für die Zwischenprüfung freizustellen.
Musteraufgaben?
Damit man überhaupt erst einmal kapiert, wie diese Prüfung zu absolvieren ist, kann man vorab mit dem zugeschickten Musterbogen schon ein wenig üben. Es gibt mehrere Fragetypen, z.B. Multiple Choice, Rechenaufgaben oder Sortieraufgaben. Das Ergebnis (nur Ziffern) ist dann auf einen Lösungsbogen zu übertragen. Außerdem gibt es noch einige ausführliche Hinweise, damit man in der echten Prüfung nicht ratlos vor seinen Unterlagen sitzt und den Prüfer alle paar Minuten nerven muss… aber wenn man sich das alles ein mal angeguckt hat, ist es nur noch halb so kompliziert.
Und die echten Prüfungen? Wo gibts die?
Vorsicht: Die Prüfungen unterliegen dem Urheberrecht. Man darf sich diese also nicht einfach aus einschlägigen Quellen beschaffen, sondern kann z.B. bei der IHK nachfragen, ob man die Originalbögen plus Lösungen der letzten Jahre für ein paar Euro kaufen kann. Oder man fragt einfach bei den Mitauszubildenden im Betrieb nach. Ich kann nur empfehlen, wenigstens eine Prüfung komplett durchzuarbeiten, damit man ein Gefühl dafür bekommt…
Okay, heute ist Prüfung!
Da man vom Betrieb laut Gesetz freigestellt werden muss, sollte es kein Problem sein, pünktlich zum Termin zu erscheinen. Meine “Prüfstelle” war einfach zu finden, man sollte aber auf jeden Fall vorher mal auf den Stadtplan gucken und überlegen, wie lange man für die Anfahrt braucht. Bei meiner Prüfung hat beispielsweise jemand den Bus verpasst und ist gerade noch rechtzeitig gekommen, so etwas sollte bei der Planung auch bedacht werden.
Was darf ich mitnehmen?
Was genau erlaubt ist (und was nicht), sollte im oben erwähnten Brief an euch stehen. Wir durften z.B. einen Taschenrechner verwenden, der sich bei mir als nützlich, aber nicht zwingend erforderlich herausgestellt hat. Extrem praktisch sind Nachschlagewerke wie das (explizit erlaubte) IT-Handbuch, da steht zumindest für unseren Beruf alles drin, was man schlecht im Kopf behält. Es ist übrigens nicht erlaubt, MP3-Player, Handys und ähnliches mit in den Prüfungsraum zu nehmen – auch, wenn sie ausgeschaltet sind! Kontrolliert hat das bei uns aber keiner… ;) Oh, und man muss auf jeden Fall das Anschreiben und seinen Personalausweis mitbringen.
Was passiert während der Prüfung?
Die Prüfung an sich ist recht unspektakulär. Irgendwann darf man in den Prüfungsraum (bei uns war das zu der im Anschreiben erwähnten Zeit), da warten etwas kleine Tische und bequeme Stühle – und jeder hat ein Namensschild, auf dem auch der Beruf und die im Anschreiben erwähnte Prüflingsnummer steht. (Man kann sich also nicht aussuchen, wo man sitzt.) An die Tischecke kommen Anschreiben und Perso, währenddessen verteilt der Prüfer Umschläge mit den Aufgaben und dem Lösungszettel. (Nein, den muss man ausfüllen, da stehen keine Lösungen drauf.) Auf Kommando geht es dann los und man hat zwei Stunden Zeit, alles zu beantworten. Die Prüfung selbst ist ein Heftchen in A4, also keine lose Papiersammlung. Man darf auch gerne fröhlich darin herumkritzeln. ;) Der Lösungszettel hat einen Durchschlag, diesen darf man mit den Aufgaben auch direkt mit nach Hause nehmen.
Und danach?
Naja, man kann unmittelbar nach der Prüfung abhauen und seine Antworten mit den anderen Prüflingen vergleichen – wir waren irgendwas um die 50 Leute, aber ich kannte doch einige. Zwei waren aus meiner Klasse, zwei aus meinem Betrieb und den ein oder anderen habe ich auch schon bei mir an der G18 gesehen… wer also überhaupt nicht auf seine Ergebnisse warten kann, darf wenigstens vorher wild vergleichen. ;) Die Bögen werden nämlich erst einmal in Ruhe ausgewertet und anschließend das Ergebnis an den Betrieb geschickt.
Noch irgendetwas?
Die Zwischenprüfung ist wesentlich weniger dramatisch, als es sich manche vorstellen: Sie wird nicht gewertet, es ist eine angenehme Atmosphäre dort und die Zeit ist ausreichend für die Fragen. Man darf in seinem schlauen Buch nachschlagen und es ist egal, wie man auf seine abstrusen Lösungen kommt (das Ergebnis zählt). Also, wem der Spaß noch bevorsteht… don’t panic!
Ich will noch etwas wissen!
Da ich kein Guru bin, verweise ich an zwei Stellen: Zum einen sollten die älteren Mitauszubildenden noch Bescheid wissen, zum anderen hat man ja einen kompetenten Ausbilder… und im Zweifelsfall gibt es ja die zuständige IHK, die können eigentlich alles beantworten. Und soweit ich gehört habe, reißen die einem bei Fragen auch nicht den Kopf ab. ;)
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