6. Mai, 23:50 Uhr | |
Veröffentlicht unter core dump
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass mechanische Uhren toll sind? Was mich zum Beispiel daran fasziniert: In einer Quarzuhr schwingt ein Quarz 32768 Mal pro Sekunde. Das wird per Elektronik heruntergerechnet, so dass genau ein Impuls pro Sekunde dabei herauskommt, und genau der bringt dann den Motor dazu, den Sekundenzeiger einmal in der Sekunde weiterspringen zu lassen. In der mechanischen Uhr dreht sich die Unruh beispielsweise mit 28800 Halbschwingungen pro Stunde, oder umgerechnet 4 Schwingungen pro Sekunde. Die lassen den Sekundenzeiger dann viermal in der Sekunde ein Stückchen weiterrutschen.
So… die Schwäche des mechanischen Werkes wird jetzt ganz schnell deutlich, wenn wir uns daran erinnern, wo so eine Armbanduhr getragen wird: Am Arm. Da wird sie bewegt, herumgeschüttelt und kriegt auch mal einen Stoß ab. Dadurch kann es jetzt sein, dass sich die Uhr sozusagen “verschluckt” und somit eine der Schwingungen nicht weitergegeben wird – unsere mechanische Uhr geht jetzt 1/4 Sekunde nach, unsere Quarzuhr lediglich 1/32768 Sekunde.
Nun ist es aber so, dass eine mechanische Uhr doch erstaunlich genau geht. Wir nehmen jetzt großzügigerweise mal an, dass unsere Uhr nach 24 Stunden genau 10 Sekunden nachgeht. Klingt gruselig und nach einer katastrophalen Fehlerrate, aber rechnen wir doch mal nach: Unsere Uhr hat von 345600 Schwingungen genau 40 verschluckt. Das sind nur 0,012% Fehlerrate – sehr beeindruckend, wie ich finde! Die Quarzuhr muss übrigens für diese 10 Sekunden satte 22,4 Jahre getragen werden. Klingt genial? Moment, euch wird da sicher etwas aufgefallen sein…
In der Praxis relativiert sich das nämlich wieder: Angenommen, wir stellen unsere Quarzuhr nun per Hand nach einem Funkwecker und vergleichen die Zeit. Wir sehen: Sie laufen synchron. Nach einer Woche schauen wir noch einmal… nanu, die Armbanduhr geht ja einige Sekunden falsch? Tja, wir können die Uhr nun mal nicht absolut genau auf 23 Uhr, 42 Minuten und 34 Sekunden stellen. Ein Sekundenbruchteil wird immer falsch sein, und schon geht die Uhr nach einer Weile vor oder nach, obwohl wir ein unglaublich genaues Quarzwerk eingebaut haben. Also muss ich die Uhr doch wieder nachstellen.
Wenn ich aber bei meiner mechanischen Uhr weiß, dass sie jeden Tag nach dem Tragen genau 10 Sekunden nachgeht, kann ich sie nachregeln (lassen) – so, dass sie eigentlich genau 10 Sekunden vorgeht. Dadurch wird das wieder kompensiert und ich habe nach 24 Stunden eine Abweichung von 0 Sekunden. Das ist zwar nur ein theoretischer Wert, in der Praxis wird das nicht klappen und ich muss die Uhr trotzdem irgendwann wieder mit einem Funkwecker synchronisieren – aber hey, haben wir nicht genau das gleiche Problem mit der Quarzuhr?
Und damit ihr mich zum Abschluss noch für völlig bekloppt erklären könnt, zitiere ich noch schnell etwas aus dem “Hitchhiker’s Guide to the Galaxy” von Douglas Adams… immerhin kommt da ja der Untertitel meines Blogs her: “There are of course many problems connected with life, of which some of the most popular are – Why are people born? Why do they die? Why do they spend so much of the intervening time wearing digital watches?” - Denkt drüber nach! :D
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