15. Oktober, 18:26 Uhr | |
Veröffentlicht unter girls
In der aktuellen Datenschleuder (Ausgabe #90) steht ein toller Artikel über Nerddaters. Das sind Frauen, die auf Nerds stehen. :D Warum die solche Computerfuzzis toll finden? Nun ja, es gibt genug gute Gründe, so ist es nicht. Vielleicht lest ihr euch den Text einfach mal durch, ich war mal so dreist und habe den hier reinkopiert. Viel Spaß beim Lesen! ;)
Nerddating
“Ich hab das ja alles für einen Witz gehalten, wie diese Kettenmails eben. Ich kannte so Typen nur von der Mensa in der Uni. Das waren die mit den Shirts mit kryptischen Programmcodes, die immer vor ihren Laptops saßen und irgendwie komisch waren. Meistens haben die nicht so gut gerochen und hatten keine Frisur, die man so nennen könnte.”
Wir sind in Kreuzberg im einem Café, eine Gruppe Frauen sitzt um einen runden Tisch. Miriam erzählt davon, wie sie ihren neuen Lebensabschnittsgefährten Dirk kennengelernt hat. Dirk ist vor einigen Minuten mit seinem Laptop nach drinnen verschwunden, “bei der Sonne erkennt man ja nichts auf dem Display”. Das Café hat ein Gratis-Wlan.Miriam ist Teil der Nerddaters, ein loser Zusammenschluß von weiblichen Gleichgesinnten, die Nerds als erstrebenswerte Zielobjekte für die Partnersuche erkannt haben. Ein kurzer Text per Mail Anfang letzten Jahres auf Craigslist hat sie hier zusammengeführt. Craigslist ist eine Art Kleinanzeigencommunity in den USA, nett gestaltet und von vielen Singles frequentiert. Eine Frau hatte dort eine Liste gepostet, auf der sie 15 Argumente anführt, warum Nerds und Geeks lohnenswerte Objekte der Begierde seien. “Why Geeks and Nerds are worth it”, so der Originaltitel, ist inzwischen zu einer Netzlegende geworden, übersetzt in viele Sprachen.
“Mein Ex war ein oberflächlicher, egoistischer Loser mit Oberlippenbart und Schuppen. Irgendwann hat er mal zu mir gesagt, daß ich zu dick sei und was ändern müßte. Er fand auch meine Kochkünste unzureichend, von Sex mal gar nicht zu sprechen. Als dann Schluß war, hat es mich aber doch getroffen.” Die anderen am Tisch nicken. Miriam weist mit dem Kopf Richtung Dirk und lacht. “Was bin ich froh, daß ich nun Dirk kenne.” Sie seufzt.
Der Kellner bringt Kaffee und Tee. Miriam erzählt, wie sie sich kennengelernt haben. “Ich hab´ einfach mal so diesen Typen mit Laptop angequatscht. Auf Craigslist stand ja auch, man braucht keine Angst vor einem Korb haben. Er hatte mich erst gar nicht wahrgenommen, er war wohl irgendwo anders in Gedanken.” Idealer Jagdgrund sind laut Craigslist Cafés und andere Orte, wo es Netz gibt. Miriam hatte es nicht sonderlich schwer, halb Berlin ist voller netter Kaffeeläden mit Wlan. Und ihr reichte ein einziger Versuch. “Er kann nicht nur kochen, man kann auch noch intelligente Gespräche mit ihm führen, und er ist nicht so unglaublich von sich selbst überzeugt. Und er kann jeden Film besorgen. Einfach sexy.”
Die Idee, daß es wohl ein paar mehr Frauen geben könnte, die mit einem Nerd als erstklassigem Zeitvertreib gut beraten sein könnten, kam dann beim Essen mit Freundinnen. Die beiden Frauen, die bei ihr zu Gast waren, wollten die Vorzüge eines Nerds nicht recht glauben. “Nerd? Was ist denn ein Nerd?” Miriam weihte sie ein und zeigte das Posting von Craigslist vor. Neid machte sich breit, so einen hätten die beiden auch gern. Miriam empfahl ihnen das Café an der Ecke.
“Die eine ist inzwischen auch in festen Händen und überglücklich – die andere noch nicht, sie legt wohl zuviel Wert auf Äußerlichkeiten.” Dabei, so Miriam, seien Nerds ja eigentlich gar nicht unansehnlich oder ungepflegt, nur eben etwas optimierbar. Sie vergleicht Dirk mit einem ungeschliffenen Rohdiamanten. Aber mit ein paar Ratschlägen von erfahrenen Weiblichen würden sich auch Nerds ganz passabel kleiden. “Und wenn sie am Anfang keine Lust auf Einkaufen haben, kann man sie mit kleinen Annehmlichkeiten ködern”, sagt sie und lacht leise. Die Waffen einer Frau, wirksames Equipment auch für Nerds.
Nerddating, in Deutschland noch eine eher verwegene Idee, ist in den USA schon bekannt und schwer im Trend. Gleich mehrere Portale wie consumating.com oder nerddating.net existieren für die angehende Nerddaterin, sie expandieren inzwischen auch nach Frankreich, Polen oder Finnland. Hierzulande fehlen noch die entsprechenden Angebote, diese Marktlücke wollen die Überzeugungstäterinnen nun nutzen. “Die Nerddater-Webseiten existieren schon. Wir wollen da erstmal eine Sammlung von Tips und Ratschlägen für geneigte Frauen entstehen lassen. Sie sollen auch die berühmte Liste lesen und rausfinden, warum Nerds so sexy sind und wo man sie am besten findet. Danach dann ein Forum, wo man direkt Kontakte anbahnen kann.” Miriam bittet nun Dirk hinzu. Er zeigt einige Entwürfe der Webseite, die Frauen sind begeistert.
“Diesen Kontakteteil machen wir so, daß die Mädels gleich klicken können, wen von den Nerds sie interessant finden. Jede kann sich ihre eigene Bestenliste anlegen. Eine Bewertungsskala wird es auch geben.” Dirk implementiert das gerade. Er sagt: “Im Prinzip sind so Beziehungsgeflechte ja nichts anderes als ein Graph. Wir haben es hier mit einem Matchingproblem zu tun. Ich schreibe da grade an einem Approximationsalgorithmus, der unglaublich schnell und ausreichend effizient ist. Alles nur ein Optimierungsproblem.” Die Frauen nicken, natürlich.
Während Miriam ihm den Nacken krault, erzählt Dirk von Tagging-Features und XMLRPC-Schnittstellen, die er vielleicht noch implementieren will, mit zwei Freunden zusammen. Die Frauen bitten unauffällig, diese beiden Freunde doch mal mitzubringen.
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