Immer wieder höre ich von Leuten, dass sie sich gerne Zeit für sich selbst nehmen würden – aber einfach keine Zeit dafür haben. Der Job, die sozialen Verpflichtungen, was auch immer. Es gibt immer etwas, das gerade getan werden muss, und wenn man zufällig etwas Zeit hat, wird sie auch sofort wieder aufgefüllt.
Wenn man genauer darüber nachdenkt, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie: Auf eine gewisse Weise weicht man sich selbst aus. Theoretisch kann (und sollte) sich jeder eine Stunde für sich selbst komplett frei halten, um beispielsweise seine Ziele für die nächsten Wochen festzulegen oder darüber nachzudenken, ob man mit seiner jetzigen Lebenssituation zufrieden ist.
In der Praxis macht das aber niemand – man hat ja keine Zeit dafür. Der Chef pocht auf den Projektabschluss, die besten Freunde möchten auf eine Party und außerdem muss die Wohnung aufgeräumt werden. Das will man nicht ignorieren. Nur übersehen viele dabei, dass man sich dabei selbst ignoriert: In einem vollen Terminkalender ist einfach keine Zeit, um auch seinen eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen.
Nimmt sich jemand, der partout keine Zeit hat, diese Zeit zum Nachdenken einfach, passiert folgendes: Ihm gehen tausend Dinge durch den Kopf, die viel sinnvoller scheinen, als einfach nur auf dem Sofa zu sitzen und nachzudenken. Aber hier kommt der entscheidende Punkt: Wenn einem bewusst wird, mit wie vielen Dingen man sein Leben vollgestopft hat, fragt man sich, ob das wirklich alles nötig ist. Und diese Selbstreflexion geht komplett unter, wenn man nur von Termin zu Termin hetzt und versucht, alles auf einmal zu erledigen.
Darüber hinaus gibt es noch ein Problem, man merkt es den Leuten nämlich an, wenn sie so unglaublich viel zu tun haben: Sie sind nie ganz bei der Sache, weil sie gedanklich schon weiter sind. Ich kenne es von mir selbst, wenn ich noch viele Dinge zu erledigen habe, erwische ich mich immer wieder selbst dabei, wie ich bei meiner momentanen Tätigkeit schon darüber nachdenke und dadurch unkonzentrierter werde.
Natürlich gibt es Dinge, die getan werden müssen. Aber man sollte hinterfragen, ob man es für sinnvoll hält oder lieber etwas anderes tun würde – das betrifft ganz besonders Verpflichtungen, die man irgendwann eingegangen ist, wie die Organisation eines Vereins oder der Beruf, der einem kaum Spaß macht.
Letztendlich hat man nicht viel von seinem Leben, wenn man allen Dingen nur hinterherrennt. Zwischendurch muss man auch anhalten und schauen, wo man gerade ist. Ansonsten kann man sich verlaufen, ohne es überhaupt zu merken – dabei kommen Menschen heraus, die mitten in ihrem Leben stehen und sich fragen, wie sie überhaupt dort hingekommen sind.
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